Thomas Röper im Donbass

In eigener Sache

Ich bin wieder im Konfliktgebiet unterwegs

Ich bin zum vierten Mal im Konfliktgebiet in der Südostukraine unterwegs und werde in den nächsten Tagen darüber berichten.

Seit dem 18. Mai bin ich wieder im Donbass. Während wir Journalisten bei den vorherigen Reisen zumindest grob informiert waren, wohin die Reise gehen würde, wurden wir dieses Mal vollständig im Dunkeln gelassen. Auch der gemeinsame Chat, in dem die organisatorischen Fragen besprochen werden, unterscheidet sich von den vorherigen, denn außer Andeutungen und Sicherheitshinweisen bekommen wir von den Organisatoren dieses Mal nicht viele Informationen.

Wie auch bei den vorherigen Reisen werde ich versuchen, zeitnah über die einzelnen Reisetage zu berichten. Ich werde sie also möglichst am Folgetag einen Reisebericht veröffentlichen, wenn ich so schnell dazu komme, ihn zu schreiben.

Embedded Journalist?

Ich will diese Gelegenheit nutzen, um ein paar Hintergrundinformationen zu diesen Reisen zu erzählen. Manche bezeichnen die Reisen als „embedded“, was nicht der Wahrheit entspricht. Ein „embedded Journalist“ („eingebetteter Journalist“) wird in eine Einheit des Militärs „eingebettet“ und nimmt mit ihr quasi am Krieg teil. Dabei empfindet er sich schnell Teil der Einheit und wird Teil der Kameradschaft. Das macht es für ihn schwierig, die Einheit kritisch zu begleiten.

Bei unseren Reisen ist das anders. Die Reisen werden zwar vom russischen Verteidigungsministerium organisiert, aber das ist nicht zu vermeiden, weil im Konfliktgebiet überall Kontrollposten sind und man als Ausländer da nicht durchkommt. Es sei denn, man hat eine Akkreditierung der Donezker oder Lugansker Behörden, aber die sind sehr schwierig zu bekommen. Man kommt als Journalist also nicht am russischen Verteidigungsministerium vorbei, wenn man sich im Donbass umsehen möchte.

Eingebettet sind wir dabei jedoch nicht, denn wir fahren nicht mit einer Einheit mit, sondern werden bei unseren Fahrten durch den Donbass von gepanzerten Militärfahrzeugen eskortiert und geschützt. Mit den Soldaten kommen wir dabei nur wenig ins Gespräch, denn die sind damit beschäftigt, die Orte abzusichern, an denen wir uns umschauen. Bei unseren Reisen fehlt daher die potenziell kompromittierende Kameradschaft, die embedded Journalisten zu den Soldaten aufbauen.

Der Verlauf einer Reise

Die Ziele einer Reise, also die Orte, die wir uns anschauen, werden vom russischen Verteidigungsministerium vorgegeben, was aber auch Sinn macht, denn es sollen alle Journalisten lebendig wieder zurückkommen. Kaum etwas wäre für das russische Verteidigungsministerium unangenehmer, als wenn unser Bus unter Beschuss geriete. Manchmal ändert sich die Route noch, während wir bereits im Bus unterwegs sind, weil irgendwo überraschend Beschuss stattfindet.

Journalisten sind für die ukrainischen Truppen leider reguläre Ziele und es ist uns schon zweimal passiert, dass Orte, die wir gerade besucht hatten, 15 Minuten später beschossen wurden. Daher können wir auch nicht allzu nahe an die Front, denn die blauen Schutzwesten von Journalisten sind beliebte Ziele für ukrainische Scharfschützen. Obwohl es im Donbass derzeit kaum irgendwo Handyempfang gibt, werden wir immer angewiesen, unsere Handys in den Flugmodus zu versetzen oder sie auszuschalten, weil ein paar Dutzend Handys, die versuchen, sich ins (nicht vorhandene) Netz einzuwählen, ein hervorragendes Ziel abgegeben.

Normalerweise erfahren wir immer zumindest ungefähr, wohin die Reise geht, auch wenn wir die Details des Tagesprogramms immer erst morgens erfahren, wenn der Bus schon unterwegs ist. Auch das ist der Sicherheit geschuldet, denn sollte ein übereifriger Journalist im Vorwege veröffentlichen, wann er wo ist, wäre das potenziell gefährlich.

Bei der aktuellen Reise wissen wir jedoch fast nichts über die Reiseziele, weshalb die Gerüchteküche kocht. Daher kann ich dazu jetzt auch noch nichts sagen.

Wie frei können wir arbeiten?

Die Frage, wie frei wir unter diesen Umständen arbeiten können, wird mir auch in Russland gestellt. Und auch ich war beim ersten Mal überrascht, denn wir können vollkommen frei arbeiten. Wenn wir in einen Ort oder eine Stadt kommen, dann sind da oft hunderte Menschen, weil zum Beispiel humanitäre Hilfe ausgegeben wird. Die Soldaten sichern das Gebiet dann weiträumig, sie sind also nicht in der Nähe, wenn wir mit den Menschen sprechen.

Wir können uns unsere Gesprächspartner also frei aus hunderten Zivilisten aussuchen und die können vollkommen frei sprechen. Das gilt vor allem in meinem Fall, weil ich die Gespräche nur filme, wenn die Menschen nichts dagegen haben. Mit Journalisten wie mir, die nicht beim Fernsehen arbeiten und daher auf Bilder angewiesen sind, sprechen die Menschen daher vollkommen frei, weil sie nicht gefilmt werden.

Vor der Kamera haben viele Angst. Ich habe immer wieder gesehen, dass die Menschen Angst vor der Rache der ukrainischen Nazis haben, wenn sie sich vor der Kamera sehr zurückhaltend über das Verhalten der ukrainischen Einheiten äußern, aber sobald die Kamera aus ist, über die ukrainischen Streitkräfte schimpfen wie die Rohrspatzen. Das trauen sich viele vor laufender Kamera nicht.

Das ist jedes Mal befremdlich, denn die Menschen, die gegen die russische Operation sind, haben keinerlei Angst, das offen zu sagen und auch die russischen Soldaten selbst anzuschreien. Angst vor der bösen „Besatzungsmacht“ hat offensichtlich niemand. Angst haben hingegen die, die das russische Vorgehen gutheißen, weil sie befürchten, Russland könnte wieder abziehen und die Nationalisten könnten sich an ihnen für Unterstützung der Russen rächen.

Übrigens bekommen wir auch keinerlei Anweisungen, was wir berichten oder zeigen dürfen. Und natürlich wird auch unser Material (oder unsere Fotos und Filmaufnahmen) von niemandem überprüft. Wir können tatsächlich vollkommen frei über das berichten, was wir sehen, erleben und von den Menschen vor Ort erzählt bekommen.

.https://www.anti-spiegel.ru/2022/ich-bin-wieder-im-konfliktgebiet-unterwegs/

Ein Gedanke zu “Thomas Röper im Donbass

  1. K.Cale 19. Mai 2022 / 11:06

    Was Sie hier, als angeblicher „Journalist“ von sich geben, ist in Wahrheit völliger Unsinn.
    Ich war sechs Wochen in der Ukraine mit und ohne ukrainischen Kompanien im direkten Kontakt an verschiedenen Fronten.
    Wir haben unsere Meat-Packs mit den Soldaten genauso geteilt und auch medinische Ersthiflen aus unseren MediBags gemacht, ohne das die Camera lief, weil das macht man aus ethischen Gründen einfach nicht, einen leidenden Menschen bei der medizinischen Erstversorgung auch noch zu filmen. Dafür haben die urkainischen Soldaten aber auch uns geachtet und Großmütter brachten Tee.

    Ukrainische Soldaten würden auch lieber im Frieden leben und sich mit uns über andere Sachen unterhalten. Statt dessen lagen wir oft selbst nachts bei klirrender Kälte mit denen im Graben und sie teilten uns ihr Leben mit. Für manche war es das Letzte, was sie taten, bevor der russische Beschuss ihnen ihr Leben nahm.

    Nirgends wurde auf Personen der Presse, die als solche gekennzeichnet sind, geschossen!
    Was Sie hier vermitteln ist eine russisch manipulierte Lüge, die Sie selbst auch noch gefressen haben und sich so prorussisch, also als Befürworter eines widerrrechtlichen und inhumanistischen Angriffskrieges, verharmlosen.

    Jeder ukrainische Soldat, wird sehr oft darauf hingewiesen, woran Journalisten zu erkennen sind, und das auf Sie nicht geschossen werden darf, es sei denn, es handelt sich um , als Journalisten“ getarnte Soldaten in Zivil, die zu Spionagezwecken Aufnahmen machen. Solche Leute werden vom russischen Militär speziell geschult und als westliche „Journalisten“ dann auch ausgestattet.

    Sie lassen sich ziemlich dumm als „Journalist“ von russischer Seite nicht nur vorführen und manipulieren, sondern auch für deren Zwecke missbrauchen. Warum haben Sie denn keinen Kontakt mit russischen Soldaten an der Front? Warum dürfen Sie nur in russischen Bussen durch die Gegend fahren und sich nicht frei bewegen, wenn es um Fragestellungen geht? Warum werden nur ausgesuchte Ziele und Soldaten Ihnen „präsentiert“? Warum wird Ihnen die Lüge der auf Journalisten „gern“ schießenden Scharfschützen eingetrichtert?

    Man gibt Ihnen vor, was Sie zu sehen haben und nur über das sollen Sie dann etwas schreiben können, weil Ihnen der wahre Blick verhindert wird.

    Sie sind eine Schande für die Bezeichnung „Journalist“. Sie sind ein manipulierter Wichtigtuer und niemals ein investigativ und auf eigenen Beinen stehender seriöser Berichterstatter.

    Sie sind ein russisch gelenkter Schmierfink!

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