Der Kampf um Netzneutralität: Wer kontrolliert das Netz?

  Netzneutralität in zwei Minuten erklärt

Mit dem Internet verhält es sich wie mit dem Autobahnnetz. Am ersten Ferientag wollen alle in den Urlaub. Die Folge: Stau.
Reicht die Bandbreite nicht aus entsteht Datenstau. Die Bandbreite beschreibt die maximal gleichzeitig übertragbare Datenmenge.
Bisher gibt es im Internet keine Verkehrsregeln. Alle Daten werden gleich behandelt und sollen gleich schnell an ihr Ziel kommen – das ist das Prinzip der Netzneutralität.
Einige Internetanbieter wollen das ändern und den Verkehr im Internet selbst regeln. Denn um mehr Daten zu transportieren und Staus zu vermeiden, müssten sie ihr Netz ständig ausbauen.
Schauen wir genauer hin:
Die Datenpakete beim Telefonieren sind klein, aber damit wir reibungslos telefonieren können, sollen sie auf der Überholspur fahren. Denn stecken diese Datenpakete im Stau, kommt es zu Verzögerungen im Gespräch. Das möchte niemand. Wollen wir dagegen ein Video auf Facebook hochladen, sind die Datenpakete größer. Sie sollen auf der rechten Spur fahren. Denn ob das Video sofort oder erst ein bisschen später verfügbar ist, macht kaum einen Unterschied.
Aber Vorsicht! Bei genauerem Hinsehen bringt eine Einschränkung der Netzneutralität mehr mit sich:
Damit ein Anbieter Verkehrsregeln aufstellen kann, müsste er genau wissen, was welches Fahrzeug von A nach B bringt. Und er würde entscheiden, wie schnell er die Pakete fahren lässt.
Der Internetanbieter könnte auch eine Maut einführen: Internetdienstanbieter wie z.B. Youtube könnten eine Gebühr zahlen, um schneller zu fahren. Kleinere Internetdienstanbieter könnten die Maut vielleicht nicht zahlen – die Chancengleichheit im Internet wäre dahin.
Es könnte auch eine Überholspur nur für Datenpakete des Internetanbieters geben, Filme bei Youtube und Co würden dann zum Beispiel nur bei ausreichender Bandbreite in voller Qualität übertragen.
Die Einschränkung der Netzneutralität kann dazu beitragen Staus zu vermeiden, gleichzeitig ermöglicht sie den Internetanbietern Freiheit bei den Verkehrsregeln.

Die Frage: Wollen wir das?

https://youtu.be/t4XH19GRwfA

EU-Parlament schränkt Netzneutralität ein

27. Oktober 2015, 13:31

Abstimmung über Änderungen der Netzneutralität: „Überholspuren“ im Netz werden nicht verboten

http://derstandard.at/2000024556177/EU-Parlament-schraenkt-Netzneutralitaet-ein

Das Internet bleibt für alle gleich schnell, …

Die EU-Abgeordneten haben sich zudem für die Beibehaltung der Netzneutralität ausgesprochen. Damit ist gemeint, dass Internetdienstanbieter alle Online-Inhalte – unabhängig von den abgerufenen oder verbreiteten Inhalten oder den verwendeten Endgeräten – gleichwertig (neutral) behandeln müssen. Kein Anbieter soll sich im Internet Vorteile erkaufen können, niemand soll im Netz Vorfahrt erhalten. Ganz nach dem „Best Effort“-Prinzip müssen Internetprovider Datenmengen so schnell wie möglich transportieren, ganz gleich, welchen Inhalt sie haben, von wem sie kommen und für wen sie bestimmt sind.

Anbieter von Internetdienste müssen den Usern vor Vertragsunterzeichnung klar und verständlich erläutern, wie hoch die tatsächlich zu erwartenden Download- und Upload-Geschwindigkeiten sind. Bei erheblichen Abweichungen von diesen Zusagen haben die Kundinnen und Kunden das Recht, den Vertrag vorzeitig zu kündigen oder eine Entschädigung zu verlangen.

Das EU-Parlament verankert die Netzneutralität für alle EU-Staaten (© Europäische Kommission)

… aber für manche wird es noch schneller

Gleiches Internet also für alle? So einfach ist es nicht. Denn trotz des Bekenntnisses zur Netzneutralität droht künftig ein Zwei-Klassen-Internet. Denn: In der EU-Verordnung sind nicht näher definierte „Spezialdienste“ von der Netzneutralität ausgenommen. Das heißt: Netzbetreiber dürfen zwischen verschiedenen Kategorien von Datenverkehr unterscheiden, um die Gesamtqualität und das Nutzererlebnis zu optimieren – vorausgesetzt, die anderen Angebote werden in Bandbreite und Geschwindigkeit dadurch nicht blockiert. Diese Dienste sollen andere Nutzungen nicht verdrängen und dürfen nur angeboten werden, wenn es genügend Kapazität gibt. Sie dürfen aber privilegiert behandelt werden.

Eine Hintertür ist also geöffnet ….

http://www.zukunfteuropa.at/site/cob__61016/currentpage__0/7189/default.aspx

 

Netzneutralität: Das Internet ist kein Ponyhof

Nachzulesen in

Zeit online vom 27.1.0.2015

 

Mit seiner Entscheidung, die Netzneutralität aufzuweichen, bekräftigt das EU-Parlament, was aus dem Internet geworden ist: ein durch und durch kommerzialisierter Raum.
Hier kommt der Gesetztestext zum Nachlesen für Interessierte

Noch eine Frage zum Nachdenken:

Geht es wirklich nur um Profit oder vielleicht auch um Kontrolle???

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